Aufklärung tut Not. Vom kritiklosen zum verantwortungsvollen Konsumenten, vom unbewusst zum bewusst handelnden. Das ist das Hauptanliegen von Susanne Kehrbusch, Besitzerin eines biologisch-ganzheitlichen Frisörgeschäftes und Autorin des sehr informativen Buches „Alles Klar mit Haut und Haar“, das im emu-Verlag erschienen ist. Nachfolgend ein Ausschnitt aus dem Buch, in dem nicht nur Tipps zur schonenden Haarwäsche, sondern auch Wirkung und Risiken verschiedener Substanzen zur Sprache kommen.
Naturgemäße Haarpflege
und was Sie darüber wissen sollten
Probleme beim Waschen und Bürsten
Beim Waschen mit den üblichen Schampoos und vor allem wegen der darin enthaltenen Tenside wird die Haaroberfläche gequollen und die Schuppen stellen sich ab wie bei einem geöffneten Tannenzapfen. Es entsteht sofort eine schlechtere Kämmbarkeit der Haare nach dem Waschen, was sich vor allem bei längeren Haaren bemerkbar macht.
Stellen wir uns die nebeneinander liegenden Haare mit dieser geöffneten Schuppenschicht vor. Sie verhalten sich fast wie Klettband und verhaken sich ineinander. Man bleibt mit dem Kamm zwischen Haarschaft und aufgestellter Schuppenschicht hängen. Die Ungeduldigen nehmen nun eine harte Bürste, oft eine Drahtbürste oder eine grobe Kunststoffbürste, und versuchen mit Gewalt die Haare zu entwirren - "durchzukommen". Das gelingt um den Preis, dass die Schuppenschicht weiter aufreißt, teilweise abreißt, das Haar regelrecht "geschält" wird. Die Haare werden vor allem in der Spitze immer dünner und substanzloser. Gleichzeitig verlieren sie den Oberflächenglanz, denn eine angerauhte Oberfläche hat nicht die Lichtreflexion wie eine glatte Oberfläche und deshalb keinen Glanz. Die Haare sehen "struppig" aus.
Übrigens sollten nasse Haare zum Entwirren immer nur gekämmt und nicht gebürstet werden. Der Kamm sollte aus Holz sein. Bei langen Haaren fängt man dazu in den Haarspitzen an und geht immer etwas weiter bis zum Haaransatz. Bürstet man nasse Haare, reißt man die Schuppenschicht auf.
Nun lernen wir Frisöre, dass das Anrauen der Schuppenschicht beim Haarewaschen mit den konventionellen Schampoos eine zwangsläufige Begleiterscheinung ist und dass deshalb nach jeder Wäsche eine separate Spülung gemacht werden muss, um die Schuppenschicht wieder anzulegen, das Haar gesund zu erhalten und eine gute Kämmbarkeit zu erreichen. Spülung, Balsam und Conditioner neutralisieren die Quellung durch das Schampoo. Also- unerlässlich für die Gesunderhaltung der Haare.
Es muss beim Haarewaschen aber nicht zwangsläufig so ablaufen, es kommt nur auf die Wahl der waschaktiven Substanzen, der Tenside an. Richtig ist, dass die gebräuchlichsten Tenside so wirken, aber es muss nicht so sein !
Wenn das Tensid mild ist und das Schampoo den richtigen pH-Wert hat, findet die Quellung gar nicht erst statt, und somit wird auch kein Folgeprodukt gebraucht. Selbstverständlich wäre es überhaupt kein Problem, die Produkte alle so herzustellen. Aber die milden Tenside beinhalten auch die teuersten Rohstoffe und mindern im harten Konkurrenzkampf um "billig und gut" den Gewinn.
Die Schnelllebigkeit und der damit verbundene Zeitmangel sowie die sinkende Bereitschaft der VerbraucherInnen, in Ruhe Haarpflege zu betreiben, stellten die Industrie und die industriegläubigen Frisöre vor ein Problem: laut (Werbe-)Aussage sind die Schampoos alle unglaublich haarpflegend, ja aufbauend und Glanz gebend. Sie geben Volumen, Kraft und Vitalität, eine gute Kämmbarkeit und "reparieren angegriffenes Haar".
Wie sollen die Verbraucher das glauben, wenn sie nach dem Waschen nicht mehr mit dem Kamm durchkommen ?
Es mussten neue Produkte her, und so wurden die "Schampoo-und-Spülung-in-einem"-Produkte geschaffen. Wie aber ist es möglich, dass ein Produkt die Schuppenschicht gleichzeitig öffnen und schließen kann ? Gar nicht ! Deshalb funktionieren diese Produkte auch folgendermaßen: die waschaktiven Substanzen sind genauso aggressiv (billig) wie vorher, aber es sind jetzt Silikone im Produkt eingebunden, die sich am Haar genauso verhalten wie das Silikon, das Sie als Fugenmasse am Badewannenrand kennen. Silikon hat eine großen Kriech- und Dehnfähigkeit, kriecht also in jede Ritze und macht dicht. Am Haar bedeutet das, es dringt in die geöffnete Schuppenschicht, legt sich außen herum und glättet somit die Haarstruktur. Das Haar ist, wie versprochen, gut kämmbar, hat mehr Volumen (es liegt je eine Kunststoffschicht um das Haar herum) und glänzt.
Alle Probleme der Kosmetikindustrie waren damit gelöst, aber die Frisöre bekamen Probleme. Auf einmal gab es am laufenden Band Dauerwellenreklamationen, die Locken hielten nicht mehr, auch beim Haarefärben gab es Schwierigkeiten: die meisten Silikone sind nicht wasserlöslich (denken Sie an die Badewannenfuge), und somit wurde das angelagerte Silikon bei der nächsten Haarwäsche nicht wieder abgebaut, sondern neues hinzuaddiert. Die Haare wurden also immer stärker mit Kunststoff ummantelt und regelrecht abgedichtet. Deshalb kamen die Frisöre mit den Dauerwellenprodukten auch nicht mehr ins Haarinnere, und die Umformung konnte nicht stattfinden. Den Frisören fiel es nicht schwer, die Verbraucher nun vor diesen Produkten zu warnen, zumal es sich ausnahmslos um Produkte des freien Handels und nicht um Frisörprodukte handelte. Der Umsatz dieser Produkte ging stark zurück. Die Industrie stand vor dem gleichen Problem wie zuvor und baute nun die Silikone klammheimlich in alle gängigen Schampoos ein - mit ähnlicher Werbeaussage über die Wirkung, aber ohne Hinweis, dass eine Spülung im Produkt enthalten ist. Es war eben eine neue Generation von Schampoos entstanden - "viel pflegender und schonender und deshalb mit so guter Kämmbarkeit".
Die Haut ist ein großes Regulations- und Entgiftungsorgan und nimmt diese Aufgabe auch auf der Kopfhaut wahr. Je denaturierter die Kost, desto mehr Stoffwechselprodukte, teilweise Giftstoffe, bleiben übrig, und der Organismus versucht nun, einen großen Teil über die Kopfhaut auszuscheiden. Was aber nun, wenn die Kopfhaut mit Silikon oder anderen Filmbildern zugeschmiert ist ? Dann lagern sich diese Endprodukte in der Kopfhaut ab, und die Haare werden damit "versorgt" - kein Wunder, dass sie ausfallen.
Ich glaube nicht, dass der männliche Haarausfall ausschließlich eine genetische und hormonelle Ursache hat, ich halte das eher auch für ein Symptom der denaturierten, industrialisierten Zivilisationskost und diese somit für die Ursache. Denn sonst müssten wir weltweit den gleichen Prozentsatz von Männern mit Halbglatzen in der Bevölkerung haben, und das ist nicht so. Bei den Naturvölkern findet man kaum eine, und in den ländlichen Regionen ohne Supermärkte und Fast-Food-Ketten sind selbst in den südeuropäischen Ländern nur wenige zu entdecken.
Einiges über Tenside
In Westeuropa werden jährlich fast 900 000 Tonnen tensidhaltige Kosmetika verbraucht, ohne die reinigenden Mittel, Seifen, Haushaltsreiniger, Waschmittel usw. zu berücksichtigen. Der Begriff Tensid leitet sich ab aus dem Lateinischen von Tension = Spannung. Das älteste bekannte Tensid ist sicher die Seife, vor allem die Kernseife. Kernseife wird größtenteils aus tierischen Fetten, Schlachtabfällen, gewonnen. Sie hat eine alkalische Wirkung, schädigt den Säureschutzmantel und wirkt schleimhautreizend. Sie quillt das Keratin der Oberhaut auf und macht die Haut aufnahmefähig für Fremdsubstanzen. Außerdem hat sich gezeigt, dass das feuchte Seifenstück ein guter Boden für Mirkoorganismen ist und dadurch die Haut nach dem Waschen mit Seife mehr Bakterien aufweist als zuvor.
Alle konventionellen Tenside greifen den Säureschutzmantel der Haut an, lösen den Talg, also das hauteigene Fett, das die Haut geschmeidig hält. Die Haut wird trockener, sogar rissig, je nach Häufigkeit der Anwendung und Aggressivität des Produkts. Die Kosmetikindustrie wirbt mit "Rückfettern" in den Produkten, das heißt, die Entfettung soll sofort rückgängig gemacht werden. Da aber durch diese Rückfetter die schäumende Wirkung herabgesetzt wird, nimmt der Endverbraucher automatisch mehr und hat dadurch die gleiche entfettende Wirkung. Der einzige Vorteil auch hier für die Industrie: der Verbrauch wird erhöht.
Denken wir in diesem Zusammenhang zum Beispiel auch an Spülmittel. Richtig ist, hier von körperfremden Tensiden zu sprechen. Tenside verringern die Oberflächenspannung des Wassers und sind deshalb für Stoffwechselprozesse in unserem Organismus notwendig. Dringen nun artfremde Tenside in unseren Organismus ein, können sie einzelnen Zellen töten und den Zellstoffwechsel zum entgleisen bringen. Auch für eine leichte Entzündungsreaktion der Haut können Sie verantwortlich sein. Des weiteren wurden Beobachtungen gemacht, die darauf schließen lassen, dass die Zellteilung der Oberhaut durch Tenside beschleunigt wird. Jeder Verbraucher nimmt das wahr, die Haut schuppt stärker ab.
Das bedeutet aber auch, dass Kopfhautschuppen oft nur durch die Schampoos entstehen. Durch meine Beobachtungen enthalten oft gerade die sogenannten Anti-Schuppen-Schampoos die aggressivsten Tenside und zusätzliche, hornhautlösende Wirkstoffe.
Die richtige Haarwäsche: Kopfhautwäsche !
Zunächst einmal sollte das, was die Verbraucher unter Haarwäsche verstehen, in Kopfhautwäsche umbenannt werden, dann wären schon viele Probleme gelöst. Denn auf der Kopfhaut spielt sich alles ab. Ausscheidungen der Talg- und Schweißdrüsen sowie Staub- und Umweltablagerungen. "Schmutzig" ist - wenn überhaupt - nur die Kopfhaut. An den kopfhautfernen Haarbereichen, den Längen und Spitzen, kann allerhöchstens Geruch anhaften, diese bedürfen deshalb auch keiner starken Reinigung. Die Kopfhaut sollte aber von Ablagerungen frei sein. Dass die Kopfhaut täglich ausscheidet, heißt aber nicht, dass wir sie auch täglich mit Schampoo waschen sollen. Die tägliche Reinigung sollte mechanisch erfolgen.
Die physikalische Kopfhautreinigung: das Bürsten
Für eine wirklich freie Kopfhaut, in welche Sauerstoff eindringen kann und aus der Stoffwechselprodukte entweichen können, ist tägliches Bürsten deshalb unbedingt erforderlich. Alle Ablagerungen werden dadurch abtransportiert. Gleichzeitig wird die Durchblutung der Kopfhaut durch die Massagewirkung angeregt. Je besser die Kopfhaut durchblutet ist, desto besser ist die Versorgung der Haare, die ausschließlich über die Blutgefäße ernährt werden. Die Bürste sollte in ihrer Form an die Konturen der Kopfhaut angepasst sein, also abgerundet - wie eine Hand, mit der man über den Kopf streichen will. So liegt die Bürste flächig auf und der Druck verteilt sich gleichmäßig und schonend. Um nun einen guten Abtransport der Ablagerungen zu gewährleisten, müssen die Borsten sehr aufnahmefähig sein und fest genug, um durch die Haare bis auf die Kopfhaut zu kommen. Dazu eignen sich am besten die Nackenhaare der Wildschweine. Sie sind am äußeren Ende fest genug und aufnahmefähig nach innen. Diese Borstenqualität erkennt man leicht an ihren hellen Spitzen, wie Punkte, und an der Unregelmäßigkeit der Bürstenoberfläche. Außerdem sollte der Bürstenkörper nicht aus Tropenholz und chemisch behandelt sein und keine eingearbeiteten Kunststoffborsten haben. So eine zweckmäßige Bürste liegt zwar höher im Preis, aber sie ist dann auch ein Stück für viele Jahre. Außerdem spart man jede Menge Schampoo, da bei täglichem Bürsten das Haarewaschen reduziert werden kann, denn der Schmutz und das Fett werden abgebürstet - die Haare sind wieder frisch und sauber, ähnlich wie die raue Zunge der Katze das Fell stets sauber, geruchfrei und glänzend hält - ganz ohne Wäsche !
Natürliche Haarwäsche - welches Waschmittel ?
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Kopfhaut zu waschen: mit Tensiden und ohne waschaktive Substanzen. Das tensidfreie Waschen erfolgt mit Ton- und Mineralerden. Es befinden sich unterschiedliche Tonminerale im Handel, meist in den Naturwarenläden. Rassoul oder Ghassoul, Lavaerde und grüne Mineralerde sind die gebräuchlichsten Produkte. Sie unterscheiden sich leicht in der Zusammensetzung, haben aber alle eine positive Wirkung auf Haut und Haar. Rassoul oder Ghassoul gehört wohl zu der ältesten bekannten Möglichkeit, Haut und Haar zu reinigen. Es kommt aus Marokko und ist Jahrhunderte alt. Die königlichen Familien haben auch heute noch eigene Stollen, wo Lavaerde nur für sie abgebaut wird. Die Mineralerden sind frei von Tensiden und in der ursprünglichen Form ohne andere Zusätze. Die Reinigung erfolgt über die Reibung der feinen Erdpartikel sowie über das hohe Absorptionsvermögen, die hohe Aufnahmefähigkeit. Fett und Schmutz werden so mitgenommen, ohne den Säureschutzmantel von Haut und Haaren anzugreifen. Die Haut trocknet nicht aus, da die Talgdrüsen nicht regulierend mehr produzieren müssen, wie das bei
herkömmlichen Schampoos der Fall ist. Denn je häufiger wir waschen, desto mehr versuchen die Talgdrüsen die damit verbundene Entfernung der Haut auszugleichen - der Mensch "wäscht sich seine Haare fettig". Es gibt keine andere Möglichkeit, Haut und Haar so sanft, aber gründlich und pflegend zu waschen, denn gleichzeitig werden ja Mineralien abgegeben. Die Haare bekommen merklich Fülle und Glanz. Die Tonminerale sind für jeden Hauttyp und für jedes Haar geeignet. Bei chemisch behandeltem Haar (Dauerwelle, Farbe, Strähnen, Tönung usw.) sollte nicht damit gewaschen werden. Die Schuppenschicht dieser Haare ist stark angeraut, und die Erde kann hier den Effekt nur noch negativ verstärken. Das Haar wird dann mit dem Waschen "verknotet" und somit unkämmbar. Durch die Absorption werden die Fabpigmente unter Umständen entfernt.
Anwendung von Tonmineralen: für eine Haarwäsche werden ca. zwei Teelöffel Pulver mit fünf Teelöffeln Wasser umgerührt, ins nasse Haar, aber vor allem auf die Kopfhaut, einmassiert und nach einer ein- bis fünfminütigen Einwirkzeit gut ausgespült. Bei trockenen, spröden, schlecht kämmbaren Haaren empfiehlt sich die Zugabe von einem Teelöffel Oliven- oder Sesamöl, da sonst die Haare leicht austrocknen. Es werden auch Fertigprodukte angeboten. Hier ist jedoch kritisch auf die übrigen Inhaltsstoffe zu achten. Das größte Angebot findet man in Naturkostläden, aber auch hier ist die Kontrolle notwendig.
Waschen mit Schampoo - Waschen mit Tensiden
Ich vergleiche Haare gerne mit einem kostbaren Wollpullover, zumal die Struktur ähnlich ist. Im Gegensatz zum Haar ist es allen völlig klar, dass der Pullover nicht von Wäsche zu Wäsche schöner wird, sondern Substanz und Farbe verliert, und dass sich die Struktur nachteilig verändert. Darum waschen wir ihn auch so vorsichtig und selten, lüften ihn oft und rubbeln ihn nicht, damit er nicht filzig aussieht. Schließlich soll er lange schön sein. Bei einem schulterlangen Haar sind die Spitzen etwa zweieinhalb Jahr alt. Wenn dieses Haar nur einmal in der Woche gewaschen wird, haben die Spitzen ca. 130 Haarwäschen hinter sich - denken Sie an den Pullover nach so vielen Wäschen ! Um die Spitzen zu schonen und dort zu waschen, wo es notwendig ist - auf der Kopfhaut -, empfehle ich die sogenannte Ansatzwäsche. Dazu füllt man in eine Applikatorflasche mit 100 ml Fassungsvermögen knapp Boden bedeckt (ca. 5 ml) Schampoo und gibt ungefähr 50 ml warmes wasser dazu. Diese Angaben gelten für Schampoos mit milden und somit kaum schäumenden Tensiden, bei konventionellen Produkten kann man noch stärker verdünnen. Diese Mischung verteilt man nun unter die Haare, direkt auf die Kopfhaut und ohne die Haare vorher nass zu machen. Die Hände greifen unter die Haare, emulgieren und massieren direkt auf der Kopfhaut und reinigen dort. Somit werden die Haare "in Ruhe gelassen" und nicht gefilzt und verknotet. Das anschließende gründliche Ausspülen mit Wasser, auch dabei die Kopfhaut massieren, reicht immer aus, um die Längen und Spitzen zu reinigen. Mehr Schampoo und Schaum sind nicht erforderlich. Den so geschonten Haaren geht es wesentlich besser, sie danken es optisch, und wir handeln auch noch ökologischer - weniger Abwasserbelastung und Wasserverbrauch. Meine KundInnen sind immer wieder erstaunt, wie schnell sich die Kämmbarkeit und die Formbarkeit ihrer Haare verändern - nur durch das Bürsten und das geänderte Waschverhalten.
Wie oft sollte gewaschen werden ?
So selten wie möglich. Ich propagiere keineswegs den "Öko-Schmuddel-Look", sondern ein Verhalten, welches Haar- und Hautgesundheit zulässt und mit schöner und vitaler Optik belohnt. Es ist sicher nicht damit getan, das Haarewaschen hinauszuzögern, ohne sich ansonsten um die Haare zu kümmern. Dann sehen sie natürlich strähnig, fettig und ungepflegt aus. Die tägliche Reinigung und Pflege findet durch das Bürsten statt. In der heutigen Zeit bin ich schon froh, wenn die Verbraucher ihre Haare wieder nur einmal in der Woche, wie beschrieben, waschen. Meist setzt dann eine Entwicklung ein, und das Waschen wird immer weiter hinausgezögert, bis zu vier Wochen und länger. Natürlich erst dann, wenn die Haarqualität das wieder zulässt. Zusammenfassend bleibt zu sagen: egal, was die Industrie uns durch Werbeaussagen verspricht, Haarewaschen ist immer eine Belastung für Haut und Haare und KEINESFALLS eine Pflege !
Spezielle Haarpflege - Spezielles Haarschampoo ?
Oft erlebe ich gerade spezielle Schampoos als größte Störfaktoren für Haut und Haar. Die wichtigste Erkenntnis ist sicherlich, dass kein Produkt dem Haar geben kann, was ihm von innen fehlt. Einige Beispiele:
· Trockenes Haar: sieht stumpf und glanzlos aus, fühlt sich strohig an. Es soll durch Panthenol (zählt zu den B-Vitaminen) im Schampoo wieder mehr Feuchtigkeit speichern können. Biotin wird ebenfalls als ein wichtiges Vitamin für den Haaraufbau gesehen (auch für die Haut und die Fingernägel), und beides wird deshalb gerne als werbewirksamer Inhaltsstoff in entsprechenden Haarpflegeprodukten angegeben, neben vielen anderen. Natürlich ist hier die Aufnahme über vollwertige Lebensmittel - und nur darüber - viel effektiver. Die Haare können von außen nicht ernährt werden. Gerade im Bereich "trockenes Haar" werden gerne Spülungen, Kuren und/oder Conditioner empfohlen - um Feuchtigkeit zu spenden, zu reparieren, sprödes Haar wieder glänzend zu machen usw. Diese Produkte enthalten in der Regel Kation-Tenside. Die Haare werden zwar zunächst als kämmbarer empfunden, werden aber durch die Addition des aufgezogenen Films immer strähniger und schwerer, vor allem auch zusätzliche Wirkungsweise der meist zugesetzten Silikone, wie weiter oben beschrieben. Wirkliche Hilfe kann logischerweise nur die Vermeidung oder das Abstellen der Ursachen sein: häufiges Waschen, verstärkt durch austrocknende Tenside, alle chemischen Haarbehandlungen, zu heißes Fönen, das Benutzen von Lockenstäben, ein hoher Anteil an preiswerten Alkoholen in den sogenannten Finishprodukten (Haarspray, Festiger, Gel usw.) und eine Mangelernährung durch die industrialisierte Zivilisationskost.
· Fettiges Haar: wird in der Regel nur durch einen höheren Tensidanteil im Schampoo bekämpft. Durch die stärker austrocknende Wirkung wird die Talgdrüsenproduktion aber erst recht angeregt. Denn unser Organismus ist so wunderbar entwickelt, dass er immer sofort versucht, Missstände auszugleichen. Wenn wir also beim Waschen die Haut entfetten und den Säureschutzmantel abwaschen, geben die Nervensensoren diese Information weiter, und die Talgdrüsenproduktion wird stark angeregt, um die notwendige Hautentfettung wieder herzustellen. Die meisten Menschen außerhalb der Pupertät haben sich ihre Haare also "fettig gewaschen". Demnach sollten die Haare so selten wie möglich gewaschen werden, im Idealfall tensidfrei, um die Talgproduktion zu beruhigen. Die schnelle Veränderung erreicht man, wenn man die Haare über einige Wochen, mindestens vier, nicht wäscht und somit kein Talg produziert werden muss. In hartnäckigen Fällen ist diese "Rosskur" (vor allem für die Psyche) mehrmals notwendig.
· Feines Haar: wird durch starke waschaktive Substanzen bewusst in seiner Oberfläche angeraut, die Schuppenschicht stellt sich auf, das Haar wirkt dicker. Oft noch verstärkt durch zusätzliche Partikel im Produkt, die sich unter die Schuppenschicht schieben. Kurzfristig empfinden die Verbraucher das als echte Hilfe, langfristig sehen die Haare stumpf und glanzlos aus, denn eine angeraute Oberfläche kann durch die Lichtbrechung niemals so glänzen wie eine glatte. Hier wird die empfindlichste Haarqualität mit den stärksten Tensiden gewaschen. Auch hier bedeutet das, wie bei allen anderen Haarproblemen, dass die Kopfhaut belastet und in ihrer Funktion gestört wird.
· Schuppiges Haar: zunächst ist hier, ähnlich wie bei fettigen Haaren, die Bezeichnung falsch. Nicht das Haar ist in seiner normalen Funktion gestört, sondern die Kopfhaut. Es gibt verschiedene Formen:
o Die Seborrhoe aleosa = die fettigen Schuppen durch eine Überfunktion der Talgdrüsen, oft eine Begleiterscheinung der Pubertät.
o Die Seborrhoe sicca = die trockene Form, zeigt sich durch eine starke Schuppenbildung infolge einer beschleunigten Verhornungsphase der Oberhaut, auch hier mit einer Talgdrüsenüberproduktion verbunden. Die Haarlängen- und spitzen sind hier eher trocken und spröde.
o Die Sebostase = die trockene Kopfhaut. Hier liegt eine Unterfunktion der Talgdrüsen vor. Haut und Haare sind trocken und glanzlos, die Haare sind brüchig. Auf der Kopfhaut sind viele kleine, nicht zerreibbare Schuppen.
Ein beliebtes Mittel der Wahl war lange Steinkohleteer (Teerschampoos). Sie sind seit 1997 als Antischuppenmittel in kosmetischen Produkten verboten, da die darin enthaltenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) krebserregend oder zumindest krebsverdächtig sind. In der Apotheke sind sie jedoch weiterhin erlaubt, obwohl die Benzolmenge in diesen Schampoos doppelt so hoch ist wie in dem verbotenen Holzschutzmittel ! Teere enthalten bis zu 10000 verschiedene Inhaltsstoffe, von denen erst 400 chemisch identifiziert sind. In vielen Fällen handelt es sich außerdem nicht um wirkliche Hautstörungen, sondern um die normalen abgestorbenen Hautzellen, die ja alle 28 Tage abgestoßen werden und auf der Kopfhaut liegen bleiben. Im Gegensatz zum übrigen Hautbereich werden sie hier weder durch die Reibung mit den Kleidungsstücken noch durch das Abfrottieren nach dem Waschen entfernt. Oder es handelt sich um reine Produktablagerungen, und die KundInnen sind immer wieder erstaunt, wie schnell sie von ihren Schuppenproblemen befreit werden können, nur durch das Meiden der entsprechenden Produkte.
Die chemischen Haarbehandlungen
Färben: Chemische Mittel zum Verändern der Haarfarbe gehören ebenfalls zu den Produkten, die aus verantwortungsvoller Sicht abzulehnen sind. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Tönungen und Färbungen, denn alle Produkte enthalten in der Regel aromatische Amine als Bestandteile der Farbstoffe.
Beim Tönen handelt es sich zwar um einen rein physikalischen Vorgang, die Farben lagern sich außen am Haar an, und die Farbveränderung ist nicht dauerhaft. Auch kommt es hier nicht zu einer schweren Haarschädigung, aber krebserregende oder zumindest krebsverdächtige Verbindungen sind in allen Produkten zu finden, bis hin zu den Farbschäumen und Festigern.
Bei der sogenannten Haarfarbe werden mittels Oxidation Farbstoffe fest im Haar eingelagert und bauen sich nicht mehr komplett ab. Die Farbe muss herauswachsen und das behandelte Haar nach und nach abgeschnitten werden, wenn man zu natürlichen Ursprungsfarbe zurück möchte.
Achtung ! Die meisten mit Tönung, Tönungswäsche, Intensivtönung und ähnlich bezeichneten Produkte sind "heimliche" Haarfarben, das heißt, sie wirken durch eine Oxidation, bauen sich nicht mehr komplett vom Haar ab und greifen die Schuppenschicht der Haare an. Diese so benannten Produkte waren lediglich die Antwort auf den Umsatzrückgang der Haarfarben. Wenn die VerbraucherInnen keine Farbe wollen, dann werden die Produkte eben neu benannt. Um sicher zu sein, dass es sich bei den bisher benutzten Produkten um eine Tönung handelte, hier eins der wichtigsten Unter-scheidungskriterien: bei einer echten Tönung sind die künstlichen Farbpigmente spätestens nach 12 Wäschen vom Haar entfernt. Graue Haare können nicht zu 100 % abgedeckt werden, das heißt, die so getönten Haare erscheinen immer heller als die noch nicht ergrauten. Auf komplett ergrautem Haar wird die Farbe durchscheinend pastellig.
Die Inhaltsdeklaration: Auf den Verpackungen angegeben unter INCI = Internation Nomenclature of Cosmetics Indigrents (Internationale Namensbezeichnung für kosmetische Zutaten) und seit dem 01.01.1998 in der EU Pflicht. Zurzeit gibt es ca. 8000 zugelassene Inhaltsstoffe plus 1200 Duftstoffe, jährlich kommen ca. 1000 neue zur Meldung. Es ist an dieser Stelle natürlich nicht möglich, alle im Einzelnen anzusprechen. Aber das schnelle "Überfliegen" der liste gibt schon einige Aufschlüsse:
- Je kleiner die Schrift, desto mehr ist zu verbergen.
- Je mehr Zusätze in einem Produkt vorhanden sind, desto höher ist der chemische Anteil, und umso unüberschaubarer ist ihre Reaktion untereinandern.
- Die Inhaltsstoffe sind in abnehmender Reihenfolge deklariert (d.h. von dem zuerst genannten Inhaltsstoff ist die größte Menge im Produkt und von dem letztgenannten die geringst Menge). Ausgenommen sind hier die Farbstoffe.
- Zusätze unter 1 % müssen nicht in entsprechender Reihenfolge deklariert werden.
- 60 - 70 % eines Produktes machen die ersten 4 - 8 Inhaltsstoffe aus.
- Hersteller, die nichts zu verbergen haben, deklarieren gut leserlich und mit deutscher Übersetzung, aber Vorsicht: es kommt immer wieder vor, dass in der deutschen Übersetzung weniger Inhaltsstoffe angege-ben sind als in der INCI-Deklaration. Die kritischsten werden einfach weggelassen - die vollständige deutsche Erklärung ist ja nicht vorgeschrieben. Es fehlen bei
Die Farbstoffe
- Pheylendiamin, m-/o-/p-Phenylenediamine (PDA): fruchtschädigend, erbgutverändernd, kann zu Nieren- und Leberschäden führen, ist ein Blutgift, in Laborversuchen krebserregend, haut- und augenreizend, allergieauslösend.
- Toluene-3,4-diamine (o-Toluylendiamine): krebs-erzeugende Wirkung z.Z. noch nicht geklärt, ist aber ein Blutgift, fruchtschädigend, erbgut-verändernd, nieren- und leberschädigend, haut- und augenreizend, allergieauslösend.
- Resorcin, Resorcinol: schleinhautreizend, Haut-reizungen möglich, verändert die Blutkörperchen, leber-, nieren- und herzschädigend, allergieaus-lösend.
- Alpha-Naphthol, 1-Naphtol: haut- und schleim-hautreizend, allergieauslösend.
Die Pflanzenfarbe - eine Alternative ?
Wenn eine haarfärbende Behandlung erfolgen soll, dann sind die Pflanzenfarben die einzige Möglichkeit, dies mit gutem Gewissen zu tun. Eingesetzt werden Mischungen aus unterschiedlichsten Pflanzen. Zum Beispiel Kornblume, Heidelbeere, Tee, Hibiscus-Blüten, Gelbholz, Zwiebelschalen, Indigo, Henna und einige mehr. Gerade bei Henna kommt es leicht zu Missverständnissen. So herrscht die Meinung, damit könne man nur kräftige Rot- und Orangetöne färben. In den ersten fünf Jahren haben die Blätter diese stark färbende Wirkung, aber je älter desto weniger, von Kupfer bis Gold. Im Alter von zehn Jahren sind die Blätter nicht mehr färbend, werden dann aber noch zu pflegenden Haarbehandlungen eingesetzt.
Kontrollen immer wieder einzelne Stoffe in der Deklaration, obwohl Volldeklaration-Pflicht besteht.
- CI plus eine fünfstellige Zahl = Color-Index-Nummer weist auf einen Farbstoff hin.
- Folgende Zahlen weisen auf Farbstoffe mit aromatischen Aminen oder Anilin hin. Diese Farbbausteine sind krebserregend oder stehen zumindest unter krebsverursachendem Verdacht:
CI11680 CI11710 CI11725 CI11920
CI12490 CI12120
CI12370 CI12420
CI12480 CI15580
CI12700 CI14270
CI14815 CI15525
CI15980 CI15620
CI15630 CI15800
CI15865 CI18130
CI16230 CI16290
CI17200 CI18050
CI20040 CI18690
CI18736 CI18820
CI18965 CI24790
CI20470 CI21100
CI21108 CI21230
CI27290 CI27755
CI40215 CI12010
Diese Farbstoffe sind in den USA verboten, aber in der EU erlaubt, wenn auch einige nur für den "kurzfristigen Hautkontakt", und es sind hier auch nicht alle gelistet.
Eigenschaften der Pflanzenfarben:
· Pflanzenfarben können weiße Haare nicht zu 100 % abdecken, geben somit trotzdem ein harmonisches Farbbild zur Hautfarbe. Die grauen Haare werden nur angetönt, bekommen ein leichtes Blond, wobei verschiedene Nuancen möglich sind, Bei melierten Haaren bleibt somit die Melierung erhalten = natürliche Strähne.
· Die Farbpigmente bauen sich schleichend ab, es entsteht kein Wiederholungszwang durch sichtbaren Nachwuchs.
· Pflanzenfarben können eine reparierende Wirkung haben, da sie sehr strukturglättende Eigenschaften haben. Die Schuppenschicht der Haare wird durch den natürlichen Säureanteil der Pflanzen wieder angelegt.
· Das Ergebnis der Färbung ist nicht exakt vorhersehbar, jedes Haar reagiert anders. Um damit zu arbeiten, brauchen FrisörInnen eine zusätzliche Schulung und einige Erfahrung. Die KundInnen müssen damit einverstanden sein, dass es mehrere Färbungen dauern kann, bis der Farbton das gewünschte Ergebnis hat, die Behandlung ist beratungsintensiver. Darum hat sich diese Art des Färbens bei den FrisörInnen leider nicht durchgesetzt. Keiner der konventionellen Frisör-Produkt-Anbieter hat noch eine reine Pflanzenfarbe im Programm. Sie bieten aber alle Produkte an, die leicht als Pflanzenfarben missverstanden werden. "Auf der Basis reiner Pflanzenstoffe", "Mit den Stoffen der Natur" usw. Auch hier gibt die INCI-Deklaration Aufschluss.
· Auch bei Pflanzenfarben sind gesundheitsgefährdende Stoffe möglich: Krappwurzel, gern eingesetzt für leuchtende Rottöne, enthält auch Bestandteile, die in Laborversuchen erbgutschädlich und krebserregend waren. Hennastaub kann allergische Reaktionen hervorrufen. Es ist schwierig, vertrauensvolle Lieferanten zu finden. Denn auch starke Belastungen durch Pestizide sind möglich, und deren Aufnahme durch die Haut ist sicher nicht unproblematischer als bei chemischen Haarfarben. Nach anfänglicher Skepsis sind die KundInnen fast ausnahmslos von dem Farbergebnis mit den Pflanzenfarben überzeugt. Vor allem die Natürlichkeit der Farben und die ausgezeichnete Haarqualität begeistern sie. Die Haare wirken immer gekräftigt und vital, mit einem schönen Glanz. Sie gewöhnen sich langsam an ihre weißen Haare, da diese nicht total "verschwinden" und empfinden sie bald nicht mehr als störend. Oft ist dies eine Hilfe, um aus der Abhängigkeit des Färbens herauszukommen.
Zugegeben - manchmal bedarf es einer Portion Mut, um neue Wege zu gehen, nicht im Strom der Masse zu schwimmen, umso schöner ist das Gefühl, sich selbst etwas Gutes zu tun und dafür mit Wohlbefinden belohnt zu werden.
Susanne Kehrbusch
Aus "Alles klar mit Haut & Haar"
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